{"id":257,"date":"2021-01-24T21:22:43","date_gmt":"2021-01-24T21:22:43","guid":{"rendered":"https:\/\/prototype2.broker.ba\/?p=257"},"modified":"2021-03-21T21:25:37","modified_gmt":"2021-03-21T21:25:37","slug":"rut","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/neuen.evkikreta.de\/index.php\/2021\/01\/24\/rut\/","title":{"rendered":"Rut"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Predigt 3. Sonntag nach Epiphanias \u2013 24. Januar 2021<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen Liebe Gemeinde, die christliche Botschaft macht nicht vor Volks- und Landesgrenzen Halt. Sie gilt ausnahmslos allen Menschen. (Darum geht es am dritten Sonntag nach Epiphanias.) Bereits Jesus und seine J\u00fcnger haben sich den Nachbarn des Volkes Israel zugewandt, haben Ausl\u00e4nder geheilt und mit Samaritanern debattiert. Auch Jesu Ahnen sind international wie die Moabiterin Rut, die mit ihrer Schwiegermutter in fremdes Land zog und ihre Religion annahm. Gottes Liebe kennt keine Grenzen \u2013 bezeugen die Apostel und Propheten. So wird auch das Reich Gottes bunt und vielsprachig sein. \u201eEs werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von S\u00fcden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes\u201c (Lk 13,29) Als Predigttext f\u00fcr den heutigen Sonntag ist das erste Kapitel des Buches Rut vorgesehen. Im Buch Rut wird erz\u00e4hlt, wie mit den unterschiedlichen Migrations-Erfahrungen einer aus verschiedenen Kulturen stammenden Familie menschliches Zusammensein wichtiger ist als die R\u00fcckkehr in eine fremd gewordene Heimat. Von den 906 Seiten des Alten Testaments in meiner Ausgabe f\u00fcllt diese kleine Schrift ganze 4. Es ist eingeordnet in die geschichtlichen B\u00fccher: Vorher lesen wir im Buch der Richter \u00fcber die Zeit vor dem K\u00f6nigtum Israels, danach in den beiden B\u00fcchern Samuel \u00fcber die Entstehung des K\u00f6nigtums und den Aufstieg und die K\u00f6nigszeit Davids. Die Einordnung des B\u00fcchleins Rut an dieser Stelle ist begr\u00fcndet, weil Rut letztlich eine besondere Bedeutung als Urgro\u00dfmutter des K\u00f6nigs David bekam. Doch wir werden sehen, dass diese geschichtliche Einordnung nicht der einzige Aspekt dieses kleinen B\u00fcchleins ist. Besonders das Leben von Fl\u00fcchtlingen mit all ihren Gedanken und Gef\u00fchlen und Unw\u00e4gbarkeiten steht mir vor Augen. Ich m\u00f6chte die Geschichte des ersten Kapitels des Buches Rut erz\u00e4hlen: Dieses Anfangskapitel beginnt mit einem schreienden Widerspruch: eine Hungersnot qu\u00e4lt die Menschen im verhei\u00dfenen Land, dem Land, in dem angeblich Milch und Honig flie\u00dfen. Dieser Gegensatz wird noch versch\u00e4rft durch den Namen des Ortes, der hier Ausgangspunkt und Ziel ist: Bethlehem, \u00fcbersetzt \u201eHaus des Brotes\u201c. Hungersnot im Haus des Brotes&#8230; Der Name dieser kleinen Stadt im S\u00fcden, ist in beiden Teilen der christlichen Bibel mit so vielen Hoffnungen verbunden, Hoffnungen auf den Gesalbten, den Messias, den Christus, der Israel und die V\u00f6lker erl\u00f6sen und befreien wird aus aller Not, der Geburtsort Davids und des wichtigsten Nachkommens Davids, Jesus. Der Name Bethlehem steht damit auch f\u00fcr die materielle Seite der Hoffnungen, die sich mit David und Jesus verbinden. In unserer Geschichte f\u00fchrt die Hungersnot zur Flucht, ins Exil. Eine kleine Familie aus Bethlehem flieht nach Moab. Moab ist in der Bibel keine gute Adresse. Die Menschen in Israel lie\u00dfen keine Gelegenheit aus, sich \u00fcber die Moabiter zu erheben. Auf den Neffen Abrahams, Lot, wird dieser ungeliebte Familien\u0002Stamm zur\u00fcck gef\u00fchrt. Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen, sie aber verachten. Doch die Hungersnot treibt sogar ins verhasste Nachbarland. Unsere Geschichte wirkt zun\u00e4chst wie eine Heilung. Die Familie aus Bethlehem findet Aufnahme bei den entfernten Verwandten und Nachbarn, und die S\u00f6hne finden Frauen. Doch die Leser und H\u00f6rer sind gewarnt. W\u00e4hrend die Namen der Eltern verhei\u00dfungsvoll klingen \u2013 Elimelech: mein Gott ist K\u00f6nig;Naomi: die Anmutige \u2013 deuten die Namen der S\u00f6hne bereits Unheil an: bei Machlon schwingt deutlich Krankheit mit: \u201eder Schw\u00e4chliche\u201c, bei Kiljon sogar Zerst\u00f6rung: \u201eder Gebrechliche\u201c. Naomis Mann und ihre beiden S\u00f6hne sterben, sie bleibt mit ihren moabitischen Schwiegert\u00f6chtern zur\u00fcck und wird zum Bild Israels ohne Zukunft und Hoffnung im Exil. Naomi entschlie\u00dft sich, nach Bethlehem zur\u00fcckzukehren, beide Schwiegert\u00f6chter wollen mitgehen. Die eine, Orpa, l\u00e4sst sich von den drastischen Worten Naomis \u00fcber ihre hoffnungslose Situation \u00fcberzeugen und kehrt unter Tr\u00e4nen zur\u00fcck nach Hause; der Name Orpa wird mit \u201edie Umkehrende\u201c \u00fcbersetzt. Die andere Schwiegertochter, Rut, l\u00e4sst sich auf den Weg mit ihrer israelitischen Schwiegermutter ein. Ihr ist klar, dass ihr beharrliches Mitgehen mit Naomi, ihre hartn\u00e4ckige Liebe und Treue nicht nur ihre Privatsache ist, sondern eine religi\u00f6s\u0002politische Entscheidung als Zeichen der Freundschaft mit dem Volk Israel. Den Namen Rut kann man mit \u201eFreundschaft\u201c \u00fcbersetzen. Rut sagt ihrer Schwiegermutter: \u201eBedr\u00e4nge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will auch ich hingehen; wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.\u201c (Rut 1,16f.) Rut sieht in ihrer Geschichte mit Naomi zugleich eine mit dem Volk Israel und damit auch eine mit dem Gott dieses Volkes. Und sie geht eine Lebensbindung mit diesem Volk und diesem Gott ein: nur und erst der Tod soll sie trennen. Menschliches Zusammensein ist Rut wichtiger als die R\u00fcckkehr in eine fremd gewordene Heimat. Doch Naomi kehrt ja \u2013 in Begleitung ihrer Schwiegertochter \u2013 zur\u00fcck in ihre Heimat Bethlehem. In der Beschreibung dieser R\u00fcckkehr lesen wir zwei Verse, die auch heute das Herz zerrei\u00dfen k\u00f6nnen: Rut 1,19-20 \u201eSo gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen. Und als sie nach Bethlehem hineinkamen, erregte sich die ganze Stadt \u00fcber sie, und die Frauen sprachen: Ist das die Naomi? Sie aber sprach zu ihnen: Nennt mich nicht Naomi, sondern Mara; denn der Allm\u00e4chtige hat mir viel Bitteres angetan.\u201c Der Name Mara wird mit Bitterkeit \u00fcbersetzt. Nach Jahren zur\u00fcckkehren in das fr\u00fcher gewohnte Umfeld: Gedanken und Sichtweisen haben sich ge\u00e4ndert. Es passt wohl nicht mehr zusammen, was einst zusammen geh\u00f6rte. Die Einsch\u00e4tzung, sie sollte besser Mara genannt werden, ist wohl auch entstanden durch die bittere Erfahrung, im eigenen Umfeld nach der langen Abwesenheit nicht mehr dazu zu geh\u00f6ren. Die weitere Geschichte des Buches Rut wird in den Kapiteln 2 bis 4 entwickelt und erz\u00e4hlt, wie Rut von einer einfachen Landarbeiterin auf den Feldern des Boas zu dessen Frau wird und ihre und Naomis wirtschaftliche Absicherung damit gekl\u00e4rt wird. Rut bringt einen Sohn zur Welt, dessen Sohn wiederum David zeugt. So ist Rut, die Fremde aus dem Stamm der Moabiter, die Urgro\u00dfmutter des bedeutenden K\u00f6nigs David. Doch es kann im Buch Rut nicht nur darum gehen, Rut in die Ahnenreihe des K\u00f6nigs David einzuordnen \u2013 m\u00f6glicherweise ist dieser Zusatz anfangs gar nicht Bestandteil des Buches \u2013 ,sondern es werden gerade im ersten Kapitel Probleme der Migration deutlich er\u00f6rtert, die mit \u00dcberlebensk\u00e4mpfen von Frauen in einer m\u00e4nnlich bestimmten Welt zusammen h\u00e4ngen. Und die Ehe zwischen Boas und Rut kann als Vorbild f\u00fcr viele heutige Ehen gelten, in denen verschiedene nationale und kulturelle Hintergr\u00fcnde zusammen kommen. Die im Alten Testament zun\u00e4chst zu lesende Selbstverst\u00e4ndlichkeit von sog. Mischehen war nicht zu jeder Zeit selbstverst\u00e4ndlich; so ist das Buch Rut sicher auch als Schrift f\u00fcr solche grenz\u00fcberschreitenden Verbindungen zu interpretieren. Das Thema Migration ist auch heute aktuell. Viele Menschen in unserer Umgebung und auch unter uns haben Erfahrung mit Migration. Verschiedene Hintergr\u00fcnde haben die pers\u00f6nliche Bewegung ausgel\u00f6st: Kriege und Diktaturen, Hoffnung auf bessere wirtschaftliche Situation und Arbeit, Partnerschaft oder auch die Suche nach neuen Lebens-Ufern. In dieser Migrations-Bewegung kommen dann Fragen auf wie diese: Wie begegne ich einem Fremden \u2013 einem oder einer, die fremd aussieht oder eine fremde Sprache spricht? Wie f\u00fchle ich mich in einem Land, in dem ich anfangs wenig verstehe? Welche Erfahrungen sind mir wichtig im fremden Land? Wie gastfreundlich bin ich und welche Gastfreundschaft nehme ich an? Wie nehme ich einen \u201eR\u00fcckkehrer\u201c auf und wie f\u00fchle ich mich, wenn ich zur\u00fcckkehre in mein altes Umfeld? M\u00f6chte ich \u00fcberhaupt zur\u00fcckkehren? Wie gehe ich um mit den kulturellen und religi\u00f6sen Eigenheiten meines neuen Umfelds \u2013 oder wie respektiere ich die religi\u00f6sen und kulturellen Gewohnheiten der G\u00e4ste bei mir zu Hause? Diese Reihe von Fragen ist keineswegs vollst\u00e4ndig, m\u00f6chte aber anregen, weitere Fragen in diesem Zusammenhang zu bedenken. Auch Jesus kannte die Erfahrung des Fremd-Seins. Als kleines Kind mitgenommen nach \u00c4gypten, sp\u00e4ter der eigene Weggang aus dem famili\u00e4ren Umfeld; die Erkenntnis, dass die R\u00fcckkehr in die Heimatstadt vielf\u00e4ltige und nicht nur positive Emotionen ausl\u00f6st. Im Blick auf die Gemeinschaft mit Fremden m\u00f6chte ich die Gedanken zum Buch Rut erg\u00e4nzen durch das Wort Jesu, das der Evangelist Matth\u00e4us in der Bergpredigt aufschrieb (Mt 7,7- 8.12): \u201eBittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empf\u00e4ngt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!\u201c Amen Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen eg 293,1-2 Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all..<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt 3. Sonntag nach Epiphanias \u2013 24. Januar 2021 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. 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