{"id":262,"date":"2021-02-07T21:32:41","date_gmt":"2021-02-07T21:32:41","guid":{"rendered":"https:\/\/prototype2.broker.ba\/?p=262"},"modified":"2021-03-21T21:32:58","modified_gmt":"2021-03-21T21:32:58","slug":"gott-vertrauen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/neuen.evkikreta.de\/index.php\/2021\/02\/07\/gott-vertrauen\/","title":{"rendered":"Gott vertrauen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Predigt Sexagesim\u00e4 \u2013 7. Februar 2021 \u2013 Mk 4,26-29<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen! Amen Liebe Gemeinde, wer in dieser Corona-Zeit einer Arbeit nachgehen kann, hat ein dadurch geregeltes Leben. Gewohnte und liebgewordene T\u00e4tigkeiten zum Ausgleich und um wieder Kraft zu bekommen sind aber weitgehend eingeschr\u00e4nkt. Kein Tavernen-Besuch mit Freunden, keine ausgiebige Feier in der Familie oder Nachbarschaft, kein Konzert oder Theater, kein zwangloses Shopping. Wenn man keine Arbeit hat, werden die Tage lang, und f\u00fcr viele schleicht sich Langeweile ein. Der normale Rhythmus des Lebens ist durch das Corona-Virus gest\u00f6rt. Die heutige Predigt geht von einem Gleichnis von Jesus aus, in dem dieser Rhythmus des Lebens auf eigene Weise thematisiert ist. Es steht im Markus\u0002Evangelium im Zusammenhang einer Reihe von Reich-Gottes-Gleichnissen. Das ist es, worum es Jesus in allem geht, was er sagt und tut: Gottes Reich ist nahe. Gottes neue Welt, sein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit. Das Gleichnis \u201evom Wachsen der Saat\u201c thematisiert die Zeit zwischen Saat und Ernte und legt nahe, dem Wort Gottes gen\u00fcgend Raum zur Entfaltung zu lassen. Ich lese aus dem 4. Kapitel des Markus-Evangeliums die Verse 26 bis 29: 26 Und Jesus sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft 27 und schl\u00e4ft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und w\u00e4chst \u2013 er wei\u00df nicht wie. 28 Von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die \u00c4hre, danach den vollen Weizen in der \u00c4hre. 29 Wenn aber die Frucht reif ist, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da. Liebe Gemeinde, es ist faszinierend hier auf Kreta, wie nach langer Zeit der Trockenheit \u2013 man k\u00f6nnte meinen, dass alles verbrannt und abgestorben ist \u2013 im Sp\u00e4therbst gr\u00fcne Pflanzen aus dem Boden treiben und schnell zu dicken B\u00fcscheln heranwachsen. Und der Boden unter den Olivenb\u00e4umen wird gr\u00fcn durch den Klee, der jetzt bei Sonnenschein die gelben Bl\u00fcten zeigt. Scheinbar aus dem Nichts w\u00e4chst und gr\u00fcnt es. An einigen Stellen ist das sogar in der Stadt Heraklion wahrzunehmen. Und in den ersten Wochen dieses Jahres ist es besonders warm, so dass vieles w\u00e4chst und bl\u00fcht. Jesus konzentriert diese Erfahrung, die auch am \u00f6stlichen Rand des Mittelmeers damals jedes Jahr zu bestaunen war, auf die m\u00fchsame Kultivierung des Bodens: Ein Mensch wirft Samen auf das Land. Weizen s\u00e4t er in der Hoffnung, dass aus dem Samen die Pflanzen wachsen und Frucht bringen \u2013 neuen Weizen, der geerntet und gemahlen und zu Brot verarbeitet werden kann, auf dass die Ern\u00e4hrung gesichert ist. Weizen ist Grundnahrungsmittel. Z\u00f6liakie und andere Unvertr\u00e4glichkeiten oder Allergien waren nicht das Thema, \u00fcber das Jesus reden wollte. Es ist auch nicht der Ort, \u00fcber moderne landwirtschaftliche Produktionsweisen und Gen-Manipulation zu debattieren. Aber ich bin froh, dass die Versorgung mit Lebensmitteln in dieser Corona-Zeit funktioniert.Wenn der Mensch den Weizen ausges\u00e4t hat, so erz\u00e4hlt Jesus im Gleichnis vom Reich Gottes, dann geht dieser Mensch seinen ganz normalen T\u00e4tigkeiten nach, wacht und schl\u00e4ft Tag f\u00fcr Tag und Nacht f\u00fcr Nacht. Und nach Tagen und Wochen und Monaten geht der Same auf und es w\u00e4chst scheinbar wie von selbst eine Pflanze heran, die \u00c4hren bildet und die ersehnte und erhoffte Frucht bringt. Das nat\u00fcrliche Verh\u00e4ltnis von Schlafen und Aufstehen, Nacht und Tag, Sommer und Winter begegnet uns in unserem Gleichnis in einer ausgeglichenen Ruhe. Nicht das Hetzen von einem Termin zum anderen ist als Zielvorstellung angegeben, nicht der Stress, noch das eine oder andere Gesch\u00e4ft unter Dach und Fach zu bringen, immer mehr leisten, damit man sich immer mehr leisten kann, nicht ein neuzeitlicher Fortschrittsglaube, der alles f\u00fcr machbar, planbar, produzierbar h\u00e4lt, sondern ein ausgeglichener Wechsel der Lebensphasen: Einatmen und Ausatmen. Das gilt nicht nur f\u00fcr die allgemeinen Lebensbereiche; das gilt auch f\u00fcr die christliche Gemeinde. Immer mehr Aktionismus in der Gemeinde, immer mehr Aufgaben f\u00fcr die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind kein Rezept f\u00fcr das Kommen des Reiches Gottes. Fast k\u00f6nnte man wohl sagen: Im Gegenteil! Ein geduldiges, ausgewogenes Leben mit dem nat\u00fcrlichen Rhythmus von Schlafen und Wachen, Nacht und Tag, Keimen und Wachsen scheint eher dem Reich Gottes zu gleichen! Das Gleichnis signalisiert, dass das Reich Gottes, das wunderbare Wirken Gottes eher unspektakul\u00e4r, still, im Verborgenen geschieht. Vielleicht sogar dann, wenn wir schlafen! Vielleicht sogar, wenn wir uns in Corona-Zeiten nicht zum Gottesdienst in den Kirchen oder zu Gespr\u00e4chskreisen versammeln k\u00f6nnen. Im Brief des Jakobus wird das geduldige Warten auf das Kommen des Reiches Gottes mit dem \u00e4hnlichen Vergleich in Beziehung gesetzt: \u201eSo seid nun geduldig, Br\u00fcder und Schwestern, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Fr\u00fchregen und Sp\u00e4tregen.\u201c (Jak 5,7) Liebe Gemeinde, Martin Luther hat in einer Predigt 1522, als es in seiner Gemeinde drunter und dr\u00fcber ging, als der Reform-Eifer vieler \u00fcberhand nahm und vor lauter Aktivismus, das Reich Gottes bauen zu wollen, vieles zerst\u00f6rt wurde, was \u00fcber Jahrhunderte gewachsen war, folgendes gesagt: \u201eIch habe allein Gottes Wort getrieben, gepredigt und geschrieben, sonst habe ich nichts getan. Das hat, wenn ich geschlafen habe, wenn ich wittenbergisch Bier mit meinem Philippus und Amsdorf getrunken habe, so viel getan, dass das Papsttum schwach geworden ist, dass ihm noch kein F\u00fcrst noch Kaiser so viel abgebrochen hat. Ich hab nichts getan, das Wort hat alles gehandelt und ausgerichtet.&#8220; [zitiert nach Gerhard Sauter, in: GPM 53 (1998), 123.] Selbstverst\u00e4ndlich hat Luther sehr viel gearbeitet und nicht nur geschlafen oder mit seinen Freunden Bier getrunken. Aber das Evangelium hat seine Wirkung selbst entfaltet. Diese feine Unterscheidung zwischen dem, was wir Menschen tun k\u00f6nnen und sollen, und dem, was Gott tut, ist wichtig. Wir Menschen sollen uns wesentlich auf Gottes Wort besinnen, es weitersagen, wann und wo wir Gottes wunderbares Wirken erfahren, und darauf vertrauen, dass Gott eine reiche Ernte schenkt, wo wir mit blo\u00dfem Auge noch nichts erkennen k\u00f6nnen.Liebe Gemeinde, wenn ich diese Gedanken entfalte, muss ich doch auch einen weiteren hinzusetzen. Das Gleichnis von der \u201eselbstwachsenden Saat\u201c, wie es fr\u00fcher \u00fcberschrieben wurde, scheint den Menschen in Tatenlosigkeit, in Passivit\u00e4t zu f\u00fchren: Das Reich Gottes breitet sich aus, w\u00e4hrend wir nichts tun oder schlafen. Ich denke aber, Jesus vermittelt uns in diesem Gleichnis etwas anderes als Passivit\u00e4t. W\u00e4hrend das Reich Gottes keimt und w\u00e4chst wie eine ausgestreute Saat, kann sich der Mensch dem Rhythmus des Lebens anvertrauen und sich den allt\u00e4glichen Dingen zuwenden: er lacht und weint, bew\u00e4ltigt seine Aufgaben, vermittelt Kindern Mut zum Leben und steht Alten in ihrem Sterben bei. Er beobachtet voller Staunen und in gro\u00dfem Vertrauen das Keimen und Wachsen. \u201eEr wei\u00df nicht, wie\u201c das Keimen und Wachsen zu erkl\u00e4ren sind, aber die Saat geht auf. \u201eVon selbst\u201c, also wie automatisch w\u00e4chst das Reich Gottes. Es w\u00e4chst \u00fcber Nacht, ohne dass der Mensch daf\u00fcr einen Finger kr\u00fcmmt. Das Gleichnis sagt, dass das Reich Gottes nicht herbei zu leisten ist! Es kommt, wenn die Zeit reif ist. Ihr k\u00f6nnt derweil ganz gelassen eurem Leben nachgehen und auch die Beschr\u00e4nkungen, die das Corona-Virus verursacht, aushalten. Mit dem Reich Gottes verh\u00e4lt es sich wie mit einer Saat, die ges\u00e4t ist und nun wie von selber w\u00e4chst. Liebe Gemeinde, es h\u00e4ngt nicht alles von meiner und deiner eigenen Kraft ab. Gewiss, unsere Tatkraft, Kopf und Hand, Sinn und Verstand sind uns von Gott gegeben, und damit wirken wir in Arbeit und Freizeit, im \u00f6ffentlichen Leben und in der Familie und unter Freunden. Aber das Reich Gottes erschafft Gott selber: durch mich und dich, aber auch ohne mich und dich und manchmal sogar trotz meiner und deiner Bem\u00fchungen. Ruhe und Schlaf sind nicht besser als Arbeit und M\u00fche. Aber der Schlaf ist ein Sinnbild daf\u00fcr, dass wir Menschen Grenzen haben und uns am Ende unseres Lebens nicht mehr zur Arbeit bewegen werden. Wir m\u00fcssen nicht alles schaffen, sondern k\u00f6nnen darauf vertrauen, dass Gott auch dann wirkt und neues Leben schenkt, wenn unsere Kraft am Ende ist. Amen Und der Friede Gottes, der gr\u00f6\u00dfer ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserm Herrn. Amen Helmut Schwalbe, Pfr.i.R<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt Sexagesim\u00e4 \u2013 7. Februar 2021 \u2013 Mk 4,26-29 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen! 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