{"id":269,"date":"2021-02-28T21:43:36","date_gmt":"2021-02-28T21:43:36","guid":{"rendered":"https:\/\/prototype2.broker.ba\/?p=269"},"modified":"2021-03-21T21:43:54","modified_gmt":"2021-03-21T21:43:54","slug":"lukas-5","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/neuen.evkikreta.de\/index.php\/2021\/02\/28\/lukas-5\/","title":{"rendered":"Lukas 5"},"content":{"rendered":"<p>Predigt Reminiscere 28. Februar 2021 \u2013 Lk 5,1-11 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen! Amen. Liebe Gemeinde, seit vielen Jahren fasziniert mich immer wieder eine besondere Person der Bibel: Der Apostel Petrus. Dieser Fischer hie\u00df eigentlich Simon und bekam von Jesus den Beinamen Petrus, das bedeutet \u201eder Fels\u201c. Von Petrus wird uns in den Evangelien berichtet, wie er versucht, sich ganz auf Jesus einzulassen, wie seine Freundschaft zu Jesus von Vertrauen und Verl\u00e4sslichkeit gepr\u00e4gt ist. Aber wir lesen auch davon, wie Petrus zweifelt und Angst bekommt, wie er sogar seine Freundschaft zu Jesus verleugnet. Doch Jesus hat dem Petrus immer wieder die M\u00f6glichkeit zum Neu-Anfang gegeben. Trotz aller Durststrecken und Entt\u00e4uschungen hat Jesus zu seinem Freund Petrus gestanden; in Petrus ist sozusagen die Grundlage der Kirche abgebildet \u2013 mit Vertrauen und Versagen. Gerade darum f\u00fchle ich mich mit Petrus verbunden. Eine Petrus-Geschichte m\u00f6chte ich heute in der Predigt bedenken. Es ist die Geschichte aus dem Lukas-Evangelium, in der die Freundschaft zwischen Jesus und Petrus beginnt; diese Geschichte geh\u00f6rt zu den bekanntesten biblischen Geschichten \u00fcberhaupt: Lk 5,1-11 Der Fischzug des Petrus (Mt 4,18-22; Mk 1,16-20) 1 Es begab sich aber, als sich die Menge zu Jesus dr\u00e4ngte, um das Wort Gottes zu h\u00f6ren, da stand er am See Genezareth 2 und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. 3 Da stieg er in eines der Boote, das Simon geh\u00f6rte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. 4 Und als er aufgeh\u00f6rt hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! 5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. 6 Und als sie das taten, fingen sie eine gro\u00dfe Menge Fische und ihre Netze begannen zu rei\u00dfen. 7 Und sie winkten ihren Gef\u00e4hrten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und f\u00fcllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken. 8 Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu F\u00fc\u00dfen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein s\u00fcndiger Mensch. 9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, \u00fcber diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, 10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die S\u00f6hne des Zebed\u00e4us, Simons Gef\u00e4hrten. Und Jesus sprach zu Simon: F\u00fcrchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. 11 Und sie brachten die Boote ans Land und verlie\u00dfen alles und folgten ihm nach. Liebe Gemeinde, diese Geschichte enth\u00e4lt die extremen Emotionen von Entt\u00e4uschung und Hoffnungslosigkeit einerseits und Vertrauen und Ermutigung anderseits. \u201eWir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen\u201c \u2013 Entt\u00e4uschung, Frustration, Hoffnungslosigkeit&#8230; Ich sehe die kleinen Fischerboote in den kretischen H\u00e4fen und die oftmals wenigen Fische, die nach der R\u00fcckkehr verkauft werden \u2013 ich kann gut verstehen, dass ein v\u00f6llig erfolgloser Fischzug sehr schnell die wirtschaftliche Existenz infrage stellt. Und auf der anderen Seite sehe ich die Aktivit\u00e4t und Bewegung angesichts des \u00fcberbordenden Fangs, der dazu f\u00fchrt, auch andere Menschen f\u00fcr diesen Freund Jesus zu begeistern, der so viel Lebens-Perspektive gibt. Ich m\u00f6chte die Entwicklung, die Bewegung dieser Geschichte nachvollziehen.Nimmt man noch einige Zeilen hinzu, die vor dieser Geschichte im Kapitel 4 des Evangeliums nach Lukas stehen, dann merkt man, dass Jesus gar nicht so \u00fcberfallm\u00e4\u00dfig auf Petrus zugekommen ist. Der Weg in die Nachfolge, die Berufung vom Fischer zum Menschenfischer geschieht gar nicht so pl\u00f6tzlich, wie es scheint. Es ist eine Geschichte in drei Teilen. Und das zeigt mir: Jesus ist sorgf\u00e4ltig in seiner Wahl. Er n\u00e4hert sich auch langsam an und l\u00e4sst es geschehen, dass auch wir uns ihm langsam n\u00e4hern. Blicken wir nun auf die drei Teile der Ann\u00e4herung zwischen Jesus und Petrus: Der erste Teil der Ann\u00e4herung wird im Kapitel vorher erz\u00e4hlt. Jesus ist in Kapernaum. Er ist in der Synagoge. Dort lehrt er und heilt Kranke. Und anschlie\u00dfend daran geht er in das Haus des Petrus. Es wird nicht ausdr\u00fccklich gesagt, dass Petrus zu Hause war. Vielleicht war er es \u2013 denn als Jesus einen Tag sp\u00e4ter am See zielgerichtet auf das Boot des Petrus zugeht und Petrus ihn hinausf\u00e4hrt, scheint es, als ob doch schon eine Bekanntschaft vorliegt. Viele sind da versammelt im Haus des Petrus. Sie sind besorgt, weil es der Schwiegermutter des Petrus nicht gut geht. Deshalb bitten sie Jesus, er m\u00f6ge doch etwas f\u00fcr die Schwiegermutter tun. Jesus geht auf die Schwiegermutter zu, und daraufhin geht das Fieber weg. Das ist Teil eins der Geschichte zwischen Jesus und Petrus. Berichtet wird kein Wortwechsel zwischen beiden. Eine Ann\u00e4herung von ferne. Petrus nimmt wohl wahr, dass Jesus seiner Schwiegermutter Gutes getan hat. Und Jesus nimmt wahr, dass Petrus ein offener Gastgeber ist. Denn er darf bleiben. Er bleibt und macht das Haus zu einer Art Gesundheitsstation. Denn als es Abend wird, bringen viele Menschen ihre Kranken zu ihm. Petrus wird davon nicht mehr viel mitbekommen haben. Denn er musste zum Fischen hinaus fahren \u00fcber Nacht. Der zweite Teil der Geschichte von Jesus und Petrus beginnt am fr\u00fchen Morgen. Da ist eine gro\u00dfe Menge, die von Jesus etwas h\u00f6ren will. Diese Menge bedr\u00e4ngt ihn, und in seinem R\u00fccken liegt der See. Deshalb geht Jesus auf Petrus zu, dessen Boot neben einem anderen am Ufer liegt, und bittet ihn, ein wenig hinaus zu fahren. Petrus kommt der Bitte nach. Er f\u00e4hrt Jesus ein St\u00fcck vom Ufer ab. Sein Boot wird zu einer schwimmenden Kanzel. Ich finde, das ist ein sch\u00f6nes Bild. Dort im Boot Jesus, der predigt, dessen Worte \u00fcber das Wasser getragen werden zu der Menge am Ufer, die aufmerksam lauscht. Und was hat Petrus gemacht w\u00e4hrend dieser Zeit? Er wird gemacht haben, was seine Aufgabe ist: das Boot auf Kurs halten, f\u00fcr die Sicherheit sorgen f\u00fcr das Schiff und f\u00fcr den Mann, der predigt. Aber was man vielleicht erwarten w\u00fcrde: dass die Worte Jesu auch ihn betroffen haben, dass er ganz aufmerksam war und ganz Ohr, dass er die Erkenntnis des Lebens oder Trost und Weisheit aus der Rede bezieht, davon erz\u00e4hlt die Geschichte nichts. Die Predigt Jesu geschieht f\u00fcr Petrus wohl eher nebenbei, so wie wir nebenbei Radio h\u00f6ren, w\u00e4hrend wir mit unseren eigenen Gedanken besch\u00e4ftigt sind. Ganz bildlich ist diese Geschichte. F\u00fcr Petrus sind die Worte Jesu ein St\u00fcck Oberfl\u00e4che. Da ist jemand, der vom Glauben an Gott erz\u00e4hlt &#8211; aber was hat das mit mir zu tun? So geht es auch Petrus, und Jesus l\u00e4sst ihn das Boot steuern oder schlummern in seiner Oberfl\u00e4chlichkeit. Jetzt k\u00f6nnte die Geschichte zu Ende sein; man k\u00f6nnte sich den Ausgang auch so vorstellen: Jesus l\u00e4sst sich wieder ans Land fahren, man verabschiedet sich, hat einen guten Eindruck voneinander gewonnen und geht auseinander. Wir gehen \u2013 zumindest zuu \u201enormalen\u201c Zeiten \u2013 aus dem Gottesdienst nach Hause, nehmen vielleicht den Eindruck mit, lassen ihn in uns nachklingen. So geht ja nun auch die ganze Menge, die Jesus am Ufer geh\u00f6rt hat, nach Hause. Und Jesus l\u00e4sst sie gehen; genauso soll es sein. Begegnung, H\u00f6ren, Wahrnehmen,Aufmerksamkeit f\u00fcr eine Zeit, danach wieder Alltag. Das eine hat sein Recht wie das andere. In der Geschichte vom Fischzug des Petrus gibt es nun noch einen dritten Teil. Die Predigt Jesu ist zu Ende. Jesus sagt zu Petrus: Fahre hinaus, wo es tief ist und werft eure Netze zum Fang aus. Wo es \u201etief&#8220; ist. Dort will Jesus nun mit Petrus hin. Nicht mehr die Worte an der Oberfl\u00e4che, sondern nun geht es um Tiefe. Einer der gro\u00dfen Theologen des 20. Jahrhundert, Paul Tillich, hat den Begriff der \u201eTiefe&#8220; aufgenommen und zum Schl\u00fcsselbegriff auf dem Weg zur Wahrheit gemacht. Er schreibt, auch f\u00fcr uns noch immer aktuell: \u201eDas meiste in unserem Leben bewegt sich an der Oberfl\u00e4che. Wir sind von Routine umgeben \u2013 in unserem Alltag, bei der Arbeit, beim Vergn\u00fcgen, im Beruf und in der Entspannung&#8230; Wir sind in fortgesetzter Bewegung und machen nie Halt, um in die Tiefe zu sto\u00dfen&#8230;&#8220; (Paul Tillich, In der Tiefe ist Wahrheit, Religi\u00f6se Reden. 1. Folge, Frankfurt a.M. 19828 , 54) Petrus macht Halt, wo es tief ist. Was er erf\u00e4hrt, sind keine neuen Worte. Was er erf\u00e4hrt, ist ein Augenblick der F\u00fclle. Der Fang ist \u00fcbergro\u00df. Das ist eine Sprache, die er verstehen kann. Durch das Zeichen des \u00fcbergro\u00dfen Fanges wird die Botschaft so gekleidet, dass er sie verstehen kann, weil sie ihn in seiner Existenz als Fischer betrifft. F\u00fcr das Gesundwerden der Schwiegermutter war er dankbar, der Predigt \u00fcber dem Wasser hat er mehr oder weniger zugeh\u00f6rt, nun aber ist er selbst betroffen, weil er in seinem eigenen Leben angesprochen ist. Angesichts des \u00fcbergro\u00dfen Fangs aus der Tiefe versteht auch Petrus: Was Jesus getan hat und was er gesagt hat, sind Zeichen der F\u00fclle Gottes, Hinweise auf den unersch\u00f6pflichen Grund unseres Lebens. Als Jesus dem Petrus gebot, hinaus zu fahren, wusste er: dort auf der Tiefe des Sees wird Petrus verstehen, wer Gott ist. Gott wird f\u00fcr ihn \u00fcbersetzbar in die Sprache seines Alltags hinein. Gleichzeitig wird dem Petrus seine bleibende Distanz zwischen ihm und Gott, der unersch\u00f6pflichen F\u00fclle des Lebens, bewusst. \u201eGeh weg, ich bin ein s\u00fcndiger Mensch&#8220;, sagt Petrus, weil er sich dieses Ereignisses nicht w\u00fcrdig und gewachsen f\u00fchlt. Die Unsicherheit, die Distanz wird wiederum von Jesus her \u00fcberbr\u00fcckt. \u201eF\u00fcrchte dich nicht&#8220;, sagt er. Das ist seine immer wieder besondere und gro\u00dfe Zusage, die die Angst nimmt, die der Furcht die Ermutigung zum Vertrauen entgegen setzt. \u201eVon nun an wirst du Menschen fangen&#8220; sagt Jesus ihm. Menschen fangen \u2013 wir z\u00f6gern bei diesem Begriff, denn es stellen sich uns die Gedanken von Unfreiheit ein. Aber f\u00fcr Gott \u201egefangen\u201c wird nicht mit Zwang oder Gewalt, sondern allein mit der Kraft der Liebe. Dazu braucht Jesus den Petrus. Daf\u00fcr ruft er ihn in seine besondere Aufgabe hinein und in seine besondere N\u00e4he, in den Kreis der J\u00fcnger um ihn. Liebe Gemeinde, wir haben von dem Beginn einer besonderen Freundschaft zwischen Jesus und Petrus geh\u00f6rt. Ist das eine Beispiel-Geschichte auch f\u00fcr unsere Freundschaft mit Jesus? Sollen auch wir zu \u201eMenschen-Fischern\u201c werden? Nicht alle, die etwas Wunderbares mit Jesus erlebten, wurden anschlie\u00dfend seine engsten J\u00fcnger. Zu dem geheilten Gel\u00e4hmten sagte er ausdr\u00fccklich: Geh heim. Und die zehn Auss\u00e4tzigen kehrten, bis auf einen, zu ihren eigenen Dingen zur\u00fcck. Ich nehme aus dieser Geschichte, dass Gott uns sagen und zeigen wird, wo wir gebraucht werden, wo unsere Aufgabe und was unsere Aufgabe sein wird. Es kann sein, dass auch wir im Alltag daran mitwirken sollen, dass immer mehr Spuren des Reiches Gottes auf dieser Erde erkennbar werden. Oder es ist unsere Aufgabe, eine ganz praktische Hilfe bei unserem Nachbarn zu sein. Immer aber sind wir gerufen, aufmerksam f\u00fcr die F\u00fclle Gotteszu sein, die F\u00fclle seiner Freundschaft und Liebe, die F\u00fclle seiner Barmherzigkeit und seiner Gerechtigkeit f\u00fcr alle Tiefen und Untiefen unseres Lebens. So m\u00f6chte ich die Tiefe dieser Geschichte mitnehmen in meinen Alltag und daraus Mut und Hoffnung sch\u00f6pfen f\u00fcr die Freundschaft mit Jesus Christus und f\u00fcr die Freundschaft mit meinen Mitmenschen. Amen. Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen. Lied: eg 572,1-4 Herr, wir bitten: Komm und segne uns&#8230; So w\u00fcnsche ich Euch und Ihnen allen eine gesegnete Woche: Gott segne dich und beh\u00fcte dich &#8211; Gott lasse leuchten sein Angesicht \u00fcber dir und sei dir gn\u00e4dig &#8211; Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. Ame<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt Reminiscere 28. Februar 2021 \u2013 Lk 5,1-11 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen! Amen. 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