{"id":272,"date":"2021-03-14T21:49:47","date_gmt":"2021-03-14T21:49:47","guid":{"rendered":"https:\/\/prototype2.broker.ba\/?p=272"},"modified":"2021-03-21T21:50:06","modified_gmt":"2021-03-21T21:50:06","slug":"johannes-6","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/neuen.evkikreta.de\/index.php\/2021\/03\/14\/johannes-6\/","title":{"rendered":"Johannes 6"},"content":{"rendered":"<p>Predigt Laetare \u2013 14. M\u00e4rz 2021 \u2013 Joh 6,47-51b Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen Wir versammeln uns im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Liebe Gemeinde, ich habe f\u00fcr den heutigen Sonntag wieder eine Predigt zum H\u00f6ren aufgenommen. Heute ist der Sonntag Laetare \u2013 dieses lateinische Wort hei\u00dft \u201esich freuen\u201c. Der Aufruf zur Freude ist sehr wichtig in der \u00dcberlieferung der Bibel. \u201eFreut euch \u2013 allem Leiden zum Trotz!\u201c Mitten in der Passionszeit erklingt dieser Ruf am Sonntag Laetare. Freuen \u2013 warum? Weil schon im Sterben das Leben begriffen ist. Auf diesen Zusammenhang weist der Wochenspruch: &#8222;Wenn das Weizen\u0002korn nicht in die Erde f\u00e4llt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.&#8220; (Joh 12,24) Dieser Gedanke ist in dem Lied enthalten, das unter der Nr. 98 im Gesangbuch steht: \u201eKorn, das in die Erde, in den Tod versinkt&#8230;\u201c Liebe Gemeinde, das Joh-Ev unterscheidet sich von den anderen drei Evangelien besonders durch die Deutlichkeit des Bezugs auf die Ewigkeit. Die Sehnsucht des Evangelisten bzw. seiner Gemeinde nach Leben, das den Tod \u00fcberdauert, ist an vielen Stellen zu sp\u00fcren. Manchmal kann man sogar den Eindruck gewinnen, das Leben nach dem Tod w\u00fcrde gegen ein gelingendes Leben im Hier und Jetzt ausgespielt. Das jetzige Leben wird zur Vorstufe f\u00fcr die Ewigkeit abgewertet \u2013 dabei m\u00fcsste der Ansporn f\u00fcr die Gestaltung von Leben doch in der Gegenwart liegen, allerdings unter Einbeziehung der Zukunft Gottes, also des Hinzukommens Gottes zum Gelingen gegenw\u00e4rtigen und zuk\u00fcnftigen Lebens. Unser heutiger Predigttext nimmt die Frage des Lebens im Lichte der Ewigkeit auf. Bevor ich den kurzen Abschnitt aus dem 6. Kapitel des Johannes-Evangeliums lese, m\u00f6chte ich den Zusammenhang erl\u00e4utern. In diesem Kapitel lesen wir zun\u00e4chst von der wunderbaren Speisung der 5.000 Menschen, die von Jesus mit Brot ges\u00e4ttigt werden und das Teilen lernen. Es folgt der Abschnitt von der Begegnung der ver\u00e4ngstigten J\u00fcnger im Boot auf dem aufgew\u00fchlten See Genezareth mit Jesus, der ihnen wieder Mut und Vertrauen schenkt und sie damit wieder Boden unter die F\u00fc\u00dfe bekommen. Danach wird die Thematik der S\u00e4ttigung durch Brot wieder aufgenommen. In wortreicher Sprache findet eine Gespr\u00e4chsrunde statt, in der Jesus sich selber als \u201eBrot des Lebens\u201c bezeichnet. Das ber\u00fchmte \u201eIch-bin-Wort\u201c ist im Vers 35 aufgeschrieben: \u201eIch bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr d\u00fcrsten.\u201c Und gleich danach das tr\u00f6stliche Wort Jesu: \u201eWer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaussto\u00dfen.\u201c In den darauf folgenden Versen sind diese Worte Jesu zu lesen: 47 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure V\u00e4ter haben in der W\u00fcste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. 51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Liebe Gemeinde, f\u00fcr den glaubenden Menschen kann aus dem Leiden neues Leben kommen. Darum hei\u00dft dieser Sonntag \u201eLaetare\u201c &#8211; \u201eFreuet euch\u201c Freut euch mitten in der Passionszeit\u00fcber die Zukunft mit Gott, freut euch auf Leben nach dem Leiden. Denn Gott \u201ewill euch tr\u00f6sten, wie einen seine Mutter tr\u00f6stet.\u201c (Jes 66,13) Selbst in den Durststrecken des Lebens kann der Glaube frisches Lebenswasser sch\u00f6pfen: \u201eWohl den Menschen, die Gott f\u00fcr ihre St\u00e4rke halten! \u2026 Wenn sie durchs d\u00fcrre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund.\u201c So steht es im Psalm 84. Aus dieser Gewissheit heraus lobt der Apostel Paulus den \u201eGott allen Trostes, der uns tr\u00f6stet in aller unserer Tr\u00fcbsal, damit auch wir tr\u00f6sten k\u00f6nnen.\u201c (2. Kor 1,3f.) Bei aller Tr\u00fcbsal k\u00f6nnen sogar Vergehen und Sterben Fr\u00fcchte des Lebens tragen, wie uns das Beispiel Jesu zeigt: \u201eWenn das Weizenkorn nicht in die Erde f\u00e4llt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.\u201c (Joh 12,24) (Ich habe den Wochenspruch am Anfang schon zitiert.) Freuen k\u00f6nnen sich alle, die Jesus Christus als Helfer und Heiland im Leben erkannt haben. In diesen Zusammenhang passt unser Abschnitt aus dem 6. Kapitel des Johannes-Evangeliums mit seiner Verhei\u00dfung des ewigen Lebens: \u201eWer glaubt, der hat das ewige Leben.\u201c (V. 47) Wer sein Leben in Jesus Christus verankert, der ist an dem Quell des Lebens, der hat Anteil an dem lebendigen Brot Gottes. So will der Evangelist verk\u00fcndigen. Er steht dabei in harter Auseinandersetzung mit der j\u00fcdischen Gemeinde. Die christliche Gemeinde musste ja wohl erst einmal zu sich selber finden und die Abgrenzung zur j\u00fcdischen Gemeinde formulieren. \u201eEure V\u00e4ter haben in der W\u00fcste das Manna gegessen und sind gestorben.\u201c So bezeichnet der Evangelist geradezu abwertend einen der Grundpfeiler j\u00fcdischen Gott\u0002Vertrauens. Das Manna, jene wundersame und wunderbare Speise in der W\u00fcste, hat das \u00dcberleben gesichert. Gottes unerkl\u00e4rliche S\u00e4ttigung in der W\u00fcste war geradezu eine Rettung vor dem sicheren Tod. Der Evangelist setzt sich aber ab von der j\u00fcdischen \u00dcberlieferung, indem er Jesus sagen l\u00e4sst: \u201eDies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe.\u201c Wer mit Jesus Christus Gemeinschaft hat, wird mit dem Brot des Lebens ges\u00e4ttigt und wird in Ewigkeit nicht sterben. \u201eIch bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.\u201c So l\u00e4sst der Evangelist Johannes Jesus weiter formulieren. Er will damit sagen, dass das Manna nicht \u00fcber den Tod hinweg half, aber Jesus, das Brot des Lebens, \u00fcberwindet sogar den Tod. Gott hat immer wieder Zeichen seiner N\u00e4he gegeben. Ich denke da auch an die St\u00e4rkung, die der Prophet Elia f\u00fcr seinen langen Weg erhalten hat mit Brot und Wasser. Gott l\u00e4sst jeder und jedem einzelnen seine gn\u00e4dige Zuwendung zukommen. In Jesus Christus erm\u00f6glicht Gott Leben \u00fcber jede Grenze hinaus. Gott nimmt uns hinein in seinen umfassenden Frieden; er wird das von ihm erschaffene Leben erhalten in Zeit und Ewigkeit. Wir leben von dem, was Gott uns schenkt, von seiner Liebe und G\u00fcte, von seiner Vergebung und Barmherzigkeit. Liebe Gemeinde, \u201eich bin das Brot des Lebens\u201c sagt Jesus. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern auch vom Vertrauen in Gott. Auch wer gen\u00fcgend zu essen und zu trinken hat und sich wegen seiner materiellen G\u00fcter keine Sorgen zu machen braucht, kann doch seelisch verhungern und lebensunf\u00e4hig werden. Das erleben wir in dieser Corona-Zeit besonders intensiv, dass Menschen seelisch hungern. Wir leben auch vom Miteinander und von der Anerkennung und Achtung unserer Mitmenschen, von ihrem Wohlwollen und ihrer Zuwendung. Wir brauchen das Gef\u00fchl, dass wir gehalten und getragen werden. Ohne Vertrauen in die Menschen und in Gott verlieren wir den Halt und gleiten ab ins Bodenlose. \u201eIch bin das Brot des Lebens.\u201c Brot steht f\u00fcr Leben. Es verk\u00f6rpert das Lebensnotwendige und versinnbildlicht die Grundlage menschlicher Existenz. Brot geh\u00f6rt zu denelementaren Grundbed\u00fcrfnissen. Wo Brot fehlt, ist die Not gro\u00df. Millionen Menschen auf der Erde haben kein Brot. Sie leben von der Hand in den Mund oder m\u00fcssen verhungern. J\u00e4hrlich sterben mehr als 30 Millionen Menschen an Hunger und Unterern\u00e4hrung, darunter eine gro\u00dfe Anzahl von Kindern unter 5 Jahren. Selbst in den reichen Industriel\u00e4ndern wird es f\u00fcr gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung immer schwieriger, ihr Brot zu verdienen. Sie k\u00f6nnen f\u00fcr den eigenen Lebensunterhalt nicht mehr selbst sorgen, weil sie keine Arbeit haben. Die Bitte um das t\u00e4gliche Brot kann zu einer Bitte nach einer Arbeitsstelle werden oder zum Erhalt derselben. Luther versteht in seinem kleinen Katechismus unter \u201et\u00e4glich Brot&#8220; \u201e&#8230;..alles, was not tut f\u00fcr Leib und Leben.&#8220; Dazu geh\u00f6ren neben Essen, Trinken, Kleidung, Obdach, gute Freunde und Nachbarn, eine gute Regierung, gutes Wetter, Friede und Gesundheit. \u201eT\u00e4glich Brot&#8220; reicht in zwischenmenschliche, politische, \u00f6kologische und medizinische Bereiche hinein, die bis heute nicht an Aktualit\u00e4t verloren haben. \u201eIch bin das Brot des Lebens&#8220; \u2013 im Johannesevangelium gibt es mehrere \u201eIch-bin-Worte&#8220;, die deutlich machen, wer Jesus ist. \u201eIch bin das Brot des Lebens.&#8220; \u201eIch bin das Licht der Welt.&#8220; \u201eIch bin die T\u00fcr&#8220;, das meint die T\u00fcr, die zu Gott f\u00fchrt. \u201eIch bin der gute Hirte.&#8220; \u201eIch bin die Auferstehung und das Leben.&#8220; \u201eIch bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.&#8220; \u201eIch bin der wahre Weinstock.&#8220; Alle diese Worte Jesu deuten auf den von Gott Gesandten hin, der in die Welt kommt, um Gott zu den Menschen zu bringen und die Menschen wieder zu Gott zu f\u00fchren. Leben und ewiges Leben werden in der Brotrede Jesu wechselweise in gleicher Bedeutung gebraucht. Das Leben haben ist nicht auf unser irdisches Dasein beschr\u00e4nkt, es reicht dar\u00fcber hinaus. Durch Jesus haben wir das Leben hier auf Erden und dort in Ewigkeit. Der Evangelist Johannes stellt gegenw\u00e4rtige und zuk\u00fcnftige Aussagen nebeneinander. Die christliche Existenz ist in ihrer gegenw\u00e4rtigen Lebensf\u00fclle durch Jesus Christus auf zuk\u00fcnftige Vollendung hin angelegt. Jesus hat sich f\u00fcr uns dahin gegeben, damit die Welt lebt. Wohl dem Menschen, der sich auf Gott verl\u00e4sst, der sein Vertrauen auf Christus setzt und sagen kann: Christus ist mein Brot des Lebens. Er hilft mir in allen Lebenslagen. Er ist mein Trost, meine Hoffnung und mein Heil. Durch ihn habe ich das Leben, heute und in Ewigkeit. Amen. Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen Laetare \u2013 der Name dieses Sonntags ist f\u00fcr mich der Anlass, noch ein Loblied zu singen: Nr. 272 \u201eIch lobe meinen Gott von ganzem Herzen&#8230;\u201c So geht in die neue Woche mit dem Segen Gottes: Gott segne dich und beh\u00fcte dich; Gott zeige dir sein Gesicht und sei dir gn\u00e4dig; Gott blicke dich freundlich an und gebe dir seinen Frieden. Amen Helmut Schwalbe, Pfr.i.R<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt Laetare \u2013 14. M\u00e4rz 2021 \u2013 Joh 6,47-51b Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. 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