Predigt Laetare – 14. März 2021 – Joh 6,47-51b Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen Wir versammeln uns im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Liebe Gemeinde, ich habe für den heutigen Sonntag wieder eine Predigt zum Hören aufgenommen. Heute ist der Sonntag Laetare – dieses lateinische Wort heißt „sich freuen“. Der Aufruf zur Freude ist sehr wichtig in der Überlieferung der Bibel. „Freut euch – allem Leiden zum Trotz!“ Mitten in der Passionszeit erklingt dieser Ruf am Sonntag Laetare. Freuen – warum? Weil schon im Sterben das Leben begriffen ist. Auf diesen Zusammenhang weist der Wochenspruch: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Joh 12,24) Dieser Gedanke ist in dem Lied enthalten, das unter der Nr. 98 im Gesangbuch steht: „Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt…“ Liebe Gemeinde, das Joh-Ev unterscheidet sich von den anderen drei Evangelien besonders durch die Deutlichkeit des Bezugs auf die Ewigkeit. Die Sehnsucht des Evangelisten bzw. seiner Gemeinde nach Leben, das den Tod überdauert, ist an vielen Stellen zu spüren. Manchmal kann man sogar den Eindruck gewinnen, das Leben nach dem Tod würde gegen ein gelingendes Leben im Hier und Jetzt ausgespielt. Das jetzige Leben wird zur Vorstufe für die Ewigkeit abgewertet – dabei müsste der Ansporn für die Gestaltung von Leben doch in der Gegenwart liegen, allerdings unter Einbeziehung der Zukunft Gottes, also des Hinzukommens Gottes zum Gelingen gegenwärtigen und zukünftigen Lebens. Unser heutiger Predigttext nimmt die Frage des Lebens im Lichte der Ewigkeit auf. Bevor ich den kurzen Abschnitt aus dem 6. Kapitel des Johannes-Evangeliums lese, möchte ich den Zusammenhang erläutern. In diesem Kapitel lesen wir zunächst von der wunderbaren Speisung der 5.000 Menschen, die von Jesus mit Brot gesättigt werden und das Teilen lernen. Es folgt der Abschnitt von der Begegnung der verängstigten Jünger im Boot auf dem aufgewühlten See Genezareth mit Jesus, der ihnen wieder Mut und Vertrauen schenkt und sie damit wieder Boden unter die Füße bekommen. Danach wird die Thematik der Sättigung durch Brot wieder aufgenommen. In wortreicher Sprache findet eine Gesprächsrunde statt, in der Jesus sich selber als „Brot des Lebens“ bezeichnet. Das berühmte „Ich-bin-Wort“ ist im Vers 35 aufgeschrieben: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ Und gleich danach das tröstliche Wort Jesu: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ In den darauf folgenden Versen sind diese Worte Jesu zu lesen: 47 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. 51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Liebe Gemeinde, für den glaubenden Menschen kann aus dem Leiden neues Leben kommen. Darum heißt dieser Sonntag „Laetare“ – „Freuet euch“ Freut euch mitten in der Passionszeitüber die Zukunft mit Gott, freut euch auf Leben nach dem Leiden. Denn Gott „will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jes 66,13) Selbst in den Durststrecken des Lebens kann der Glaube frisches Lebenswasser schöpfen: „Wohl den Menschen, die Gott für ihre Stärke halten! … Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund.“ So steht es im Psalm 84. Aus dieser Gewissheit heraus lobt der Apostel Paulus den „Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit auch wir trösten können.“ (2. Kor 1,3f.) Bei aller Trübsal können sogar Vergehen und Sterben Früchte des Lebens tragen, wie uns das Beispiel Jesu zeigt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Joh 12,24) (Ich habe den Wochenspruch am Anfang schon zitiert.) Freuen können sich alle, die Jesus Christus als Helfer und Heiland im Leben erkannt haben. In diesen Zusammenhang passt unser Abschnitt aus dem 6. Kapitel des Johannes-Evangeliums mit seiner Verheißung des ewigen Lebens: „Wer glaubt, der hat das ewige Leben.“ (V. 47) Wer sein Leben in Jesus Christus verankert, der ist an dem Quell des Lebens, der hat Anteil an dem lebendigen Brot Gottes. So will der Evangelist verkündigen. Er steht dabei in harter Auseinandersetzung mit der jüdischen Gemeinde. Die christliche Gemeinde musste ja wohl erst einmal zu sich selber finden und die Abgrenzung zur jüdischen Gemeinde formulieren. „Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.“ So bezeichnet der Evangelist geradezu abwertend einen der Grundpfeiler jüdischen GottVertrauens. Das Manna, jene wundersame und wunderbare Speise in der Wüste, hat das Überleben gesichert. Gottes unerklärliche Sättigung in der Wüste war geradezu eine Rettung vor dem sicheren Tod. Der Evangelist setzt sich aber ab von der jüdischen Überlieferung, indem er Jesus sagen lässt: „Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe.“ Wer mit Jesus Christus Gemeinschaft hat, wird mit dem Brot des Lebens gesättigt und wird in Ewigkeit nicht sterben. „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.“ So lässt der Evangelist Johannes Jesus weiter formulieren. Er will damit sagen, dass das Manna nicht über den Tod hinweg half, aber Jesus, das Brot des Lebens, überwindet sogar den Tod. Gott hat immer wieder Zeichen seiner Nähe gegeben. Ich denke da auch an die Stärkung, die der Prophet Elia für seinen langen Weg erhalten hat mit Brot und Wasser. Gott lässt jeder und jedem einzelnen seine gnädige Zuwendung zukommen. In Jesus Christus ermöglicht Gott Leben über jede Grenze hinaus. Gott nimmt uns hinein in seinen umfassenden Frieden; er wird das von ihm erschaffene Leben erhalten in Zeit und Ewigkeit. Wir leben von dem, was Gott uns schenkt, von seiner Liebe und Güte, von seiner Vergebung und Barmherzigkeit. Liebe Gemeinde, „ich bin das Brot des Lebens“ sagt Jesus. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern auch vom Vertrauen in Gott. Auch wer genügend zu essen und zu trinken hat und sich wegen seiner materiellen Güter keine Sorgen zu machen braucht, kann doch seelisch verhungern und lebensunfähig werden. Das erleben wir in dieser Corona-Zeit besonders intensiv, dass Menschen seelisch hungern. Wir leben auch vom Miteinander und von der Anerkennung und Achtung unserer Mitmenschen, von ihrem Wohlwollen und ihrer Zuwendung. Wir brauchen das Gefühl, dass wir gehalten und getragen werden. Ohne Vertrauen in die Menschen und in Gott verlieren wir den Halt und gleiten ab ins Bodenlose. „Ich bin das Brot des Lebens.“ Brot steht für Leben. Es verkörpert das Lebensnotwendige und versinnbildlicht die Grundlage menschlicher Existenz. Brot gehört zu denelementaren Grundbedürfnissen. Wo Brot fehlt, ist die Not groß. Millionen Menschen auf der Erde haben kein Brot. Sie leben von der Hand in den Mund oder müssen verhungern. Jährlich sterben mehr als 30 Millionen Menschen an Hunger und Unterernährung, darunter eine große Anzahl von Kindern unter 5 Jahren. Selbst in den reichen Industrieländern wird es für große Teile der Bevölkerung immer schwieriger, ihr Brot zu verdienen. Sie können für den eigenen Lebensunterhalt nicht mehr selbst sorgen, weil sie keine Arbeit haben. Die Bitte um das tägliche Brot kann zu einer Bitte nach einer Arbeitsstelle werden oder zum Erhalt derselben. Luther versteht in seinem kleinen Katechismus unter „täglich Brot“ „…..alles, was not tut für Leib und Leben.“ Dazu gehören neben Essen, Trinken, Kleidung, Obdach, gute Freunde und Nachbarn, eine gute Regierung, gutes Wetter, Friede und Gesundheit. „Täglich Brot“ reicht in zwischenmenschliche, politische, ökologische und medizinische Bereiche hinein, die bis heute nicht an Aktualität verloren haben. „Ich bin das Brot des Lebens“ – im Johannesevangelium gibt es mehrere „Ich-bin-Worte“, die deutlich machen, wer Jesus ist. „Ich bin das Brot des Lebens.“ „Ich bin das Licht der Welt.“ „Ich bin die Tür“, das meint die Tür, die zu Gott führt. „Ich bin der gute Hirte.“ „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ „Ich bin der wahre Weinstock.“ Alle diese Worte Jesu deuten auf den von Gott Gesandten hin, der in die Welt kommt, um Gott zu den Menschen zu bringen und die Menschen wieder zu Gott zu führen. Leben und ewiges Leben werden in der Brotrede Jesu wechselweise in gleicher Bedeutung gebraucht. Das Leben haben ist nicht auf unser irdisches Dasein beschränkt, es reicht darüber hinaus. Durch Jesus haben wir das Leben hier auf Erden und dort in Ewigkeit. Der Evangelist Johannes stellt gegenwärtige und zukünftige Aussagen nebeneinander. Die christliche Existenz ist in ihrer gegenwärtigen Lebensfülle durch Jesus Christus auf zukünftige Vollendung hin angelegt. Jesus hat sich für uns dahin gegeben, damit die Welt lebt. Wohl dem Menschen, der sich auf Gott verlässt, der sein Vertrauen auf Christus setzt und sagen kann: Christus ist mein Brot des Lebens. Er hilft mir in allen Lebenslagen. Er ist mein Trost, meine Hoffnung und mein Heil. Durch ihn habe ich das Leben, heute und in Ewigkeit. Amen. Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen Laetare – der Name dieses Sonntags ist für mich der Anlass, noch ein Loblied zu singen: Nr. 272 „Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen…“ So geht in die neue Woche mit dem Segen Gottes: Gott segne dich und behüte dich; Gott zeige dir sein Gesicht und sei dir gnädig; Gott blicke dich freundlich an und gebe dir seinen Frieden. Amen Helmut Schwalbe, Pfr.i.R
Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.